Warum bei etlichen Flanschverbindungen in AwSV-Anlagen noch ordentlich „TA Luft“ nach oben ist.
- sstratenwerth
- 10. Juni
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 13. Juni
Oberirdische Rohrleitungen zum Befördern flüssiger wassergefährdender Stoffe sind nach § 21 AwSV mit Rückhalteeinrichtungen auszurüsten. Es besteht jedoch die Möglichkeit, auf die sekundäre Barriere zu verzichten, wenn der Betreiber auf Grundlage einer Gefährdungsabschätzung sicherstellt, dass durch technische und organisatorische Maßnahmen ein gleichwertiges Sicherheitsniveau erreicht wird.

Die TRwS 780 beschreibt das Prozedere rund um diese Gefährdungsabschätzung und gibt Hilfestellungen für die Errichtung technisch dauerhaft dichter Rohrleitungen. Neben den Armaturen wird dabei auch das Augenmerk auf die lösbaren Verbindungen gelegt. Die vermutlich am häufigsten eingesetzte technisch dauerhaft dichte Flanschverbindungsart ist die nach TA Luft.
Bis vor wenigen Jahren war es noch ausreichend, die Flanschverbindung mit einer Dichtung mit TA-Luft-Zertifikat zu erstellen, wenn die erforderlichen Schraubenanzugsdrehmomente zuvor ermittelt, vom Monteur bei der Montage berücksichtigt und dokumentiert wurden. Durch die Neufassung der TA Luft Ende 2021 ist dies nicht mehr möglich, da die Dichtungshersteller keine pauschalen TA-Luft-Zertifikate für Ihre Dichtungen mehr ausstellen können.
Für jede Flanschverbindung muss ein rechnerischer Dichtheitsnachweis nach DIN EN 1591-1:2014 erstellt werden, wobei natürlich Flanschverbindungen gleicher Nennweite und bei gleichen Druckverhältnissen und identischem Medium zusammengefasst werden können. Dieser Nachweis kann über herstellerspezifische Programme oder auch vom Dichtungshersteller selbst erstellt werden und bildet dann die Grundlage für die Gefährdungsabschätzung durch den Betreiber.
Liegt bei der Durchführung einer wiederkehrenden Prüfung der AwSV-Anlage keine Gefährdungsabschätzung für oberirdisch einwandige Rohrleitungen vor, so stellt dies einen erheblichen Mangel dar, der eine Nachprüfung nach sich zieht. Betreiber von AwSV-Anlagen sollten daher ein genaues Augenmerk auf die Vollständigkeit der Errichterdokumentation der Rohrleitung legen. Ansonsten ist am Ende bei der Rohrleitung noch ordentlich „TA Luft“ nach oben.
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